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World Sepsis Day: LBI Trauma erforscht Langzeitfolgen einer Sepsis

Wien (OTS) – Am 13. September macht der World Sepsis Day auf eine
lebensbedrohliche Erkrankung aufmerksam, die nach wie vor oft
unterschätzt wird. Körperliche, psychische oder kognitive Folgen
prägen den Alltag nach einer Erkrankung oft noch lange weiter. Das
Ludwig Boltzmann Institut für Traumatologie, das Forschungszentrum in
Kooperation mit der AUVA (LBI Trauma), untersucht, wie diese
Langzeitfolgen früher erkannt und gezielter behandelt werden können.

Eine Sepsis entsteht, wenn die körpereigenen Abwehrsysteme eine
Infektion nicht mehr lokal begrenzen können. Das Immunsystem ruft
eine Entzündung im ganzen Körper hervor, sodass sich die
Abwehrreaktionen nicht mehr nur gegen die Infektionserreger, sondern
auch gegen körpereigene Gewebe und Organe richten. Diese schwerste
Komplikation einer Infektion endet in einem von fünf Fällen tödlich.
Je früher die Behandlung einsetzt, desto höher sind die
Überlebenschancen. Doch auch nach einer erfolgreichen Akutbehandlung
ist die Erkrankung für viele Betroffene nicht vorbei, jede:r zweite
leidet an den Folgen des sogenannten Post-Sepsis-Syndroms. Symptome
wie Erschöpfung, Muskelschwäche, Konzentrationsprobleme, chronische
Schmerzen oder psychische Belastungen können den Weg zurück in den
Alltag erschweren und sich über Monate oder sogar Jahre erstrecken.
Wie sich diese Langzeitfolgen möglichst früh erkennen lassen, ist
eine der zentralen Fragen des internationalen Forschungsprojekts
BEATsepsis, an dem das LBI Trauma gemeinsam mit weiteren
Forschungseinrichtungen forscht.

Zwtl.: Wenn die Sepsis (nicht) vorbei ist

20 Prozent der Menschen, die an einer Sepsis erkranken
versterben. Bei den Überlebenden kann die Erholung nach einem
schweren Verlauf sehr unterschiedlich sein. Während sich manche ohne
Langzeitschäden erholen, will eine vollständige Genesung bei anderen
einfach nicht eintreten. Viele der Betroffene leiden am sogenannten
Post-Sepsis-Syndrom. Neben körperlichen Folgebeschwerden können auch
Konzentrations- und Gedächtnisprobleme oder Ängste sowie depressive
Verstimmungen auftreten.

„Bis zu 40 Prozent der von Sepsis betroffenen Patient:innen
müssen innerhalb eines Jahres erneut stationär aufgenommen werden.
Sie leiden häufig unter neurologischen Problemen, Muskelschäden oder
wiederkehrenden Infektionen“, erklärt Marcin Osuchowski, Leiter der
Forschungsgruppe Sepsis-Trauma-Schock am LBI Trauma. „Besonders
problematisch dabei ist, dass viele dieser Beschwerden im System
unsichtbar bleiben, weil sie nicht richtig eingeordnet werden. Sowohl
für Betroffene als auch für das medizinische Personal ist es oft
schwierig, einen eindeutigen Zusammenhang zu einer Sepsis
herzustellen. Mit unserer Forschung widmen wir uns dem besseren
Verständnis des Krankheitsverlaufs sowie dem frühzeitigen Erkennen
und Behandeln ihrer Spätfolgen.“

Zwtl.: BEATsepsis: Risiken früher erkennen

Genau hier setzt das internationale Forschungsprojekt BEATsepsis
an. Forschungsteams aus elf Universitätskliniken und
Forschungseinrichtungen in sechs europäischen Ländern untersuchen die
Mechanismen, die hinter den Langzeitfolgen einer Sepsis stehen. Das
LBI Trauma misst dazu Entzündungsmarker im Blut, um eine Art
„diagnostischen Fingerabdruck“ zu erstellen. Ziel ist es, im Laufe
des Projekts Korrelationen zwischen Krankheitsmarkern und dem Risiko
von Langzeitfolgen und Post-Sepsis-Syndrom zu ermitteln. Mit dieser
Untersuchung leistet BEATsepsis einen wichtigen Beitrag, um die
Folgen einer Sepsis-Erkrankung bereits frühzeitig einzuordnen und
entsprechende (präventive) medizinische Maßnahmen einleiten zu
können. Damit verfolgt das Projekt auch das Ziel, das Unsichtbare
messbar zu machen und eine objektive Grundlage für Diagnose und
Verständnis zu schaffen.

Bis dies jedoch erreicht ist, ist die Aufklärung über Sepsis von
zentraler Bedeutung. Denn obwohl in Europa jährlich 680.000 Menschen
an Sepsis versterben, wird die Krankheit oft missverstanden und zu
spät erkannt. „Es besteht großer Aufklärungsbedarf über die
Krankheit, ihre Symptome und Nachwirkungen. Der World Sepsis Day ist
daher ein wichtiger Anlass, um auf Sepsis aufmerksam zu machen“, so
Conny Schneider, Leiterin der Wissenschaftskommunikation von
BEATsepsis.

Zwtl.: Anlaufstellen für den Genesungsweg nach einer Sepsis

Nach der Akutbehandlung beginnt für Sepsis-Überlebende eine
Genesungsphase, in der Langzeitfolgen für viele eine große Rolle
spielen. Betroffenen kann es helfen, sich über mögliche Folgen zu
informieren, Veränderungen und Beschwerden ernst zu nehmen und sich
rechtzeitig Unterstützung zu holen.

Eine Möglichkeit zum Austausch bietet die aus dem VIENNA PICS
NETWORK hervorgegangene Selbsthilfegruppe ReSTART , in der sich
ehemalige Intensivpatient:innen und ihre Angehörigen aus ganz
Österreich monatlich online austauschen und gegenseitig unterstützen
können. Mitbegründer des Netzwerks ist Ákos Tiboldi, Facharzt für
Anästhesie und Intensivmedizin am AUVA-Traumazentrum Wien-Meidling
und Forscher am LBI Trauma. Eine weitere Anlaufstelle ist der
Sepsishelden-Club , ein von Sepsis-Überlebende Heike Spreter-Krick
geleitetes digitales Nachsorgeprogramm für Sepsis-Überlebende und
Angehörige im gesamten deutschsprachigen Raum, auf der sich
Betroffene vernetzen, Erfahrungen teilen, Fragen stellen und
Unterstützung finden können.

Weitere Informationen zum Projekt BEATsepsis finden Sie hier:

BEATsepsis – Gemeinsam gegen Sepsis